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1. Augustrede 2012, Herbligen, BE

Warum in die Ferne schweifen, das schöne liegt so nah. Ich habe in den letzten Tagen selbst festgestellt wie wahr dieser Spruch doch ist. Wir haben uns in der ersten Julihälfte mit der Familie Badeferien gegönnt und als ich mir anschliessend Gedanken machte für die 1. August Rede bei Euch in Herbligen, kam mir in den Sinn, dass ich, nur einige Kilometer von hier entfernt wohnend, bisher noch nie auf der Falkenfluh war.

Nun die Badeferien waren natürlich sehr schön und dass wir zuweilen mit dem Flieger unterwegs sind, wissen jene, die vor zwei Jahren hier meine Frau Theres kennenlernten, als sie ihren Beruf als Flight Attendant vorstellte. Natürlich hat sie mir von der damals sehr schönen und gemütlichen Erstaugustfeier berichtet und ist echt begeistert von Herbligen nach Hause gekehrt.
Entsprechend habe ich mich über die Einladung von Alfred Zwahlen hier in diesem Jahr zu sprechen und mit Euch den 1. August zu feiern gefreut und auch darüber, dass wir in diesem Jahr das Fest gemeinsam mit meiner Frau Theres und der Tochter Sarina geniessen können. Ich danke ganz herzlich für die freundliche Einladung. Nachdem hier auch im letzten Jahr mit Frau Kämpf eine Frau gesprochen hat, bin ich natürlich nun speziell gefordert.

Dem Grundsatz, warum in die Ferne schweifen, das Schöne liegt so nah, haben wir uns dann aber letzte Woche zu Gemüte geführt, als wir das Nahe besuchten und auf die Falkenfluh wanderten. Da kommt natürlich Eure schöne Gemeinde als eines der Bijou’s in unserem Kanton Bern und der Schweiz grossartig zum Ausdruck und ich habe gelernt, dass ich von Herbliger Boden aus sogar nach Hause schauen kann. Von der Startrampe der Deltasegler weist der Blick nach links direkt auf Uetendorf, deshalb willkommen liebe Nachbarn.

Was gibt es schöneres als in diesen wunderschönen Tagen einen Berg zu besteigen und von oben über das Tal die saftig grünen Matten abwechselnd von reifen und mittlerweile geernteten Weizenfeldern, wunderbar eingebettete Siedlungen, die schönen stolzen Bauernhäuser und die Wälder zu besichtigen. Das schöne Dorfbild von Herbligen kommt von oben betrachtet ganz besonders zum Ausdruck.
Ich will Euch zu dieser schönen Gemeinde gratulieren und als Vertreter der Politik danken für alle Arbeit die hier geleistet wird zum Erhalt dieser wunderbaren Kulturlandschaft als Grundlage unserer Lebensqualität.

Wenn man von der Falkenfluh hinunterschaut kommt Stolz auf – und dies gerade am Nationalfeiertag -, in was für einem schönen fruchtbaren Land wir leben dürfen – dort wo andere Ferien machen. Alle daheimgebliebenen haben also nichts verpasst, vielmehr ergeht es ihnen nicht, wie dem „Andern“ der gesagt hat, er plane nie Ferien, denn wohin bestimme seine Frau, wann bestimme der Chef und wie lange bestimme die Bank.

Ein Blick von der Falkenfluh macht nicht nur stolz sondern auch demütig. Denn man erkennt das grosse Wunder der Schöpfung und dass wir verglichen mit diesem Wunder hier nur als bescheidene Gäste eine gewisse gemessen an der Dauer der Erdgeschichte sehr, sehr kurze Zeit den Auftrag haben, diese wunderbare Schöpfung best möglich zu bewahren.

Meine Mutter, die mit Vater und uns vier Kindern eine Alp im Ueschinental ob Kandersteg bewirtschaftete, hat mir kürzlich erzählt, dass sie das Wunder der Natur jedes Jahr in noch höheren Lagen gesehen hat, wo aufgrund der sehr kurzen Vegetationsdauer unmittelbar nach der Schneeschmelze die Blumen wachsen. Schauen sie mal bei ihrer nächsten Sommerwanderung wie unmittelbar neben einem Schneefeld der Boden bereits grün mit schönster Alpenflora bewachsen ist, meist ganz wenige Tage, wo zuvor noch Schnee lag. Ich weiss sie haben das alle schon gesehen, werden sie sich aber auch des Wunders, das sich jedes Jahr wiederholt und Grundlage unseres Lebens ist, bewusst.
Erster August ist für mich deshalb Stolz über unser schönes Land und was wir mit unserer Arbeit dazu beitragen, Demut bezogen auf das, was wir tagtäglich – einfach so – erhalten und Verantwortung, alles dazu zu tun, dass auch die nächste Generation hier eine lebenswerte Zukunft hat.

Das Gefühl von Stolz, Demut und Verantwortung gibt auch die Präambel unserer Bundesverfassung sehr gut und passend zum ersten August wieder.
Das Schweizervolk und die Kantone gaben sich die Verfassung, ich zitiere
„im Namen Gottes des Allmächtigen
in der Verantwortung gegenüber der Schöpfung,
im Bestreben den Bund zu erneuern, um Freiheit und Demokratie, Unabhängigkeit und Frieden in Solidarität und Offenheit gegenüber der Welt zu stärken,
im Willen, in gegenseitiger Rücksichtnahme und Achtung ihre Vielfalt in der Einheit zu leben,
im Bewusstsein der gemeinsamen Errungenschaften und der Verantwortung gegenüber den künftigen Generationen,
gewiss, dass frei nur ist, wer seine Freiheit gebraucht, und dass die Stärke des Volkes sich misst am Wohl der Schwachen.“

Es sind diese Grundwerte, die unserem Land die Jahrhundertealte politische Stabilität verleihen als Grundvoraussetzung für den wirtschaftlichen Erfolg und den Wohlstand. Es ist kein Zufall, dass wir von der Finanz- und Schuldenkrise deutlich weniger erfasst werden als andere Länder.

Es sind diese Grundwerte, um die in anderen Ländern, insbesondere in Nordafrika gerungen wird. Wie schwierig das ist zeigt z.B. Ägypten. In Syrien bezahlen viele den Kampf um für uns Selbstverständliches in diesen Tagen mit ihrem Leben.

Es sind diese Grundwerte, denen wir uns am ersten August immer wieder bewusst werden, kein alter Zopf, sondern Grundlage, dass es uns auch in Zukunft gut geht. (ev. NZZ am Sonntag)
So ist das in der Präambel postulierte Bestreben zur Stärkung der Unabhängigkeit in Offenheit mit Blick auf die laufenden politischen Geschäfte hochaktuell.

Wir sind offen für bilaterale Verträge, die die wirtschaftliche Zusammenarbeit verbessern. Ein automatischer Nachvollzug von EU Recht und fremde Richter sind abzulehnen, da dies unsere Unabhängigkeit gefährdet.

Wir sind offen für eine Abgeltungssteuer mit Deutschland für Vermögen in der Schweiz. Wenn diese aber prohibitiv hoch ist und trotzdem munter weiterhin von Bundesländern CD’s mit gestohlenen Daten geklaut werden, verstösst dies gegen unsere Unabhängigkeit
Wir sind offen für Ausländerinnen und Ausländer, die in unser Land als Fachkräfte kommen oder auch als Asylanten, wenn sie an Leib und Leben bedroht sind. Jene die kommen und kriminelle Taten begehen, verwirken aber ihr Gastrecht und müssen zurückgeschickt werden. Auch hier wird unsere Unabhängigkeit sonst arg verletzt.

Wir sind offen für Freihandelsabkommen, wie sie mit vielen Ländern abgeschlossen wurden oder noch werden. Mit Agrarfreihandelsabkommen gefährden wir aber die Unabhängigkeit, da durch Importe unsere Bauernfamilien unter Druck geraten und die Selbstversorgung mit Lebensmittel nicht mehr gewährleistet wird.

Wir sind offen für erneuerbare Energien, der rasche Ausstieg aus der Atomkraft kann aber zu einer Energielücke und damit zu mehr Stromimport führen, auch das gefährdet die Unabhängigkeit.
Dies war meine persönliche Gewichtung zwischen Offenheit und Unabhängigkeit. Je nach parteipolitischer Zugehörigkeit und persönlichen Wertvorstellungen ist diese Gewichtung unterschiedlich. Die Themen zeigen aber, dass die Auseinandersetzung mit unseren Grundwerten aktueller denn je ist.

Nachdem ich nun das Innenleben des Bundeshauses selbst erfahren habe, habe ich noch mehr als früher ein Grundvertrauen, dass unser direkt demokratisches System langfristig den richtigen Weg zur Erhaltung des Wohlstands weist. Der Weg vom Gesetzesentwurf bis zur Gesetzesverabschiedung mag schwerfällig erscheinen. Die Stufen Vernehmlassung, vorberatende Kommission, Nationalrat, Ständerat, ev. Volk garantieren aber eine wirklich fundierte und ausgewogene für alle Anspruchsgruppen verträgliche Ausgestaltung.

Politiker sagen ja nicht immer nur gescheite Sachen. Allfällige Fehler werden aber aufgrund der Mehrstufigkeit des Systems problemlos ausgeglichen. Ich stelle übrigens fest, dass die Zusammenarbeit in den Kommissionen, ich bin in der UREK, sehr sachlich, fundiert und konstruktiv verläuft.

Wir werden immer unterschiedlichste und oft gegenläufige Interessen und Meinungen haben. Zu den Instrumenten der direkten Demokratie, wie wir mit diesen Interessen umgehen und uns immer wieder in der Vielfalt einigen, müssen wir alle aber Sorge tragen. Hier dürfen wir keine Abstriche machen. Diese Verantwortung tragen wir gemeinsam.
Ich wünsche Ihnen einen schönen ersten August, ihren Familien und der ganzen Gemeinde alles Gute und viel Gfreuts.

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